Einkehrtag

Am 6. und 7. November stand das erste Einkehrwochenende des Arbeitsjahres 2021/22 an. Sinn dieser Tage ist ein bewusstes Unterbrechen des Alltags, ein Zur-Ruhe-Kommen und Reflektieren eines bestimmten Aspekts in unserem Leben.

Den Startimpuls erteilte Prof. Stefan Hofmann SJ im Canisianum, in dem sich Doktoranten des Hauses, aber auch die Brixner Gastseminaristen mit uns versammelt hatten. Im Mittelpunkt standen unter philosophischen Gesichtspunkten das Thema der Menschenwürde und deren Herleitung aus drei verschiedenen Konzepten (Mitgifttheorien, Leistungstheorien und Anerkennungstheorien). Hofmann stellte uns die mit dem Schlüsselbegriff der Menschenwürde besetzte Enzyklika Fratelli tutti von Papst Franziskus vor, die als "hermeneutische Sozialethik aus der Spiritualität der Geschwisterlichkeit" (Peter Turkson) verstanden werden kann.

Fokus der Einkehrtage sollte es sein, uns auf Grund der Gottes(eben)bildlichkeit als Repräsentanten und Vergegenwärtiger des lebendigen und unsichtbaren Gottes zu verstehen. Aus dem hebr. zäläm abgeleitet, gilt der Mensch als "Gottesstatue", indem er auf Gott verweist und ihn in dieser Welt repräsentieren darf. So zeigt uns auch die Inzens in der Liturgie der Messe anschaulich, dass Gott nicht nur gegenwärtig ist in seinem göttlichen Wort und ganz besonders im Altarsakrament, sondern auch in den Menschen, die an dieser Feier teilnehmen: Priester und Ministranten am Altar, aber auch das Volk Gottes in den Bänken. Jeder Mensch besitzt an und für sich diese hohe Würde, die ihm nicht verliehen oder zugestanden wird, sondern die er per se durch sein Menschsein hat. Philosophische Begründungen der Menschenwürde auf Grund von Venrunft oder juristische Definitionen, die Geburt als Beginn der Menschenwürde festzulegen, müssen in der Realität scheitern. Keine Institution, sondern Gott selbst verleiht uns diese Würde als Mitgift ab dem ersten Moment unserer menschlichen Existenz.

Am Abend sangen wir die feierliche Vesper in der Höttinger Seminarkirche und nahmen das Abendessen unter Klängen der Brandenburgischen Konzerte von J. S. Bach ein. Im Anschluss versammelten wir uns erneut in der Seminarkirche, um vor Gottes Angesicht im ausgesetzten Altarsakrament zu beten. Den Tag beschlossen wir mit der gesungenen Komplet.

Dankbar für die ruhige Nacht beteten wir die Laudes und gingen nach stillem Frühstück erneut ins Canisianum. Glanzlichter und Inspirationen aus Fratelli tutti stellte uns Prof. Hofmann vor und konzentrierte sich diesmal auf den Aspekt der Geschwisterlichkeit. Die menschliche Würde wird geedelt durch unsere Beziehungen zu Gott, dem Vater aller Menschen, und der gesamten Menschheitsfamilie, sodass wir immer mehr lernen sollen, uns als Geschwister unabhängig von Kultur, Sprache, Abstammung und Religion zu verstehen. Der Gedanke an die gemeinsame Würde kann so eine intuitive und affektive Kraft entfalten.
Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter möchte uns vor Augen stellen, dass wir im menschlichen Sein für die Fülle des Lebens in Gott geschaffen sind, die man nur in Liebe erlangt. Die Würde der Mitmenschen zeigt sich theologisch zum einen als eine Würde von Geschwistern und zum anderen anhand der eschatologischen Bestimmung jedes Menschen, für ein Leben aus Gottes Gnade vorgesehen zu sein. Der/die andere wird so zum "socius aeternitatis" (Gefährte der Ewigkeit).

Im Meditationsraum der Jesuiten reflektierten wir das Gehörte und bereiteten uns auf die Sonntagsmesse vor, die Prof. Hofmann für alle Teilnehmer der Einkehrtage in der neoromanischen Hauskapelle zelebrierte. Mit einem festlichen Mittagessen ließen wir drei Gemeinschaften aus Doktoranten des Canisianums und Seminaristen aus Brixen und Innsbruck diese eindrucksvolle Zeit ausklingen.

Michael C. Wolf

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