Gedanken zur Altargestaltung - 2.6.2020

Wegen Corona feiern wir die Liturgie in der Seminarkirche. Dort haben wir nun den Altar neu gestaltet. Ein paar Gedanken dazu.

Wir feiern Pfingsten. Das Fest, das uns motiviert uns aufzumachen, um Christus in der Welt zu bekennen. Wir sind berufen, auch andere Menschen in die bewusste Gemeinschaft (Communio) mit Gott zu bringen. Dazu gilt es Altäre Christi in der Welt aufstellen. Einen neuen „Altar“ haben wir auch in der Seminarkirche aufgestellt.

Da wir in der Kirche mehr Platz haben als in der Hauskapelle, feiern wir alle Liturgien seit unserem erneuten Zusammentreffen Mitte Mai dort. Für die Messfeiern entspricht die Kirche dem Anspruch einer kleineren Gruppe nicht ideal, da der Altarraum sehr großzügig ist und zwischen dem Priester und den Mitfeiernden eine weite Distanz entsteht. Daher sind wir Seminaristen aufgerufen, nach möglichen Lösungen zu suchen. Eine Idee war jene, dass ein zweiter „Altar“ aufgebaut wird. Dieser steht mehr in der Mitte des Raumes und so nahe am Volk. Für den „Altar“ hat Gabriel einen simplen Tisch hergenommen. Dieser war allerdings zu niedrig, wenn man davor steht, weswegen die Tischfüße verlängert werden mussten. Aus der Not wurde eine Tugend gemacht und der Umgestaltung eine religiöse Bedeutung beigefügt.

Gott kommt uns im neuen „Altar“ entgegen. Er ist kein festgesetzter Monolith. Er ist agil, beweglich. Deshalb fordert er Maria Magdalena auf: Noli me tangere – Halte mich nicht fest! Und viel früher schon im Dekalog, fordert er jene, die ihm vertrauen auf, sich kein festgesetztes Bild von ihm zu machen.

Dieser „Altar“ ist improvisiert, ein Provisorium und spielt mit Gegenständen die wir aus unserem Alltag kennen. Das möchte uns darauf hinweisen, dass uns die Gegenwart Christi, welche jeder Altar ausdrückt, im Alltag begegnet. Im Alltag, in den Banalitäten möchte Gott uns begegnen. Auch das Sakrament, das auf diesem Tisch gefeiert wird, schafft Gegenwart und Begegnung mit Gott.
Die auffallenden Verlängerungen der Tischfüße möchten uns Symbole und gleichzeitig eine Anfrage an uns sein.

Wir sehen einen Stoß an „Aufträgen“: Darin sind unsere Texte, das was wir „von uns lassen“. Alles, das Geschriebene wie Gesprochene, unsere Gestik und unsere Art und Weise zu leben, soll im Dienst dieses Christus sein, den der „Altar“ repräsentiert und der durch die Aufträge emporgehoben wird. Unser Auftrag ist es, Christus hochzuhalten und Eucharistie – Danksagung, und Kommunion – Gemeinschaft zu ermöglichen.

Wir sehen noch einen Blumentopf: Es gibt keine Eucharistie ohne Natur! Ohne Frucht der Erde, ohne Frucht des Weinstocks braucht es auch keinen Altar, auf dem die Eucharistie gefeiert wird.
Die theologischen Bücher verweisen uns darauf, dass unser theologisches Treiben und Studium das praktische Glaubensleben stützen soll. Unser theologisches Wissen und unser praktizierter Glaube an Christus, der im Altar symbolhaft gegenwärtig ist, soll Christus erheben.

Vorne links ist ein Stein. Es soll den Eckstein, den die Bauleute verwarfen, darstellen. Christus selber ist dieser Eckstein, der verworfen wurde. Auch wir verwerfen ihn, obwohl wir ohne ihn in Schieflage kommen, so wie es dieser Tisch ohne ihn würde. Dieser verworfene Eckstein ist das Fundament unseres Glaubens und somit das Fundament auch jedes Altares.

Gott möchte uns begegnen. Aufs Höchste konzentriert bietet sich dies im Sakrament der Hl. Eucharistie an. Aber auch im Alltäglichen ist er mit der nötigen Achtsamkeit zu erspähen. Nicht nur beim „göttlichen Bankett“ auch im Speisesaal, weswegen die Kerzen von dort hier auf den „Altar“ kommen werden.

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