Fensterpredigt vom Tag der offenen Tür - 20.1.2020

Ein paar Gedanken über die Fenster der Seminarkirche

In der Seminarkirche gibt es ganz besondere Glasfenster. Sie wurden schon in den Fünfzigern angefertigt und nach einer Restaurierung in den Neunzigern erstrahlen sie wieder in alter Schönheit. Am Tag der offenen Tür gab es zu den vier großen Fenstern jeweils eine Kurzpredigt, die einer der Seminaristen vorbereitet und gehalten hat.

Liebe Leserinnen und Leser!

Bei diesen kurzen Gedanken möchte ich nicht gleich mit dem Fenster anfangen, sondern mit einer Frage. Einer, zugegeben, etwas schwierigen Frage: Wer hat euch zu Jesus geführt?

Es gibt verschiedene Wege wie man zum Glauben kommen kann. In der Vergangenheit war es oft so, dass man es von der Familie gelernt hat. Heute ist das oft nicht mehr der Fall. Viele Menschen fragen nach einem Sinn für ihr Leben, wenn sie schwierige Situationen erlebt haben. Oder manchmal hat man eine tiefe innere Erfahrung und sucht deshalb nach etwas Größerem. Doch damit ist natürlich noch nicht gesagt, dass sie auch zu Jesus finden.

Denn dafür braucht es Menschen. Menschen, die einem zu Jesus bringen. Und da kommen wir jetzt zum Fenster. Hier geschieht nämlich genau das: Menschen bringen jemanden zu Jesus.
Das Fenster zeigt die Erzählung, wie Jesus einen Gelähmten heilt. Jesus war nach Kafarnaum gekommen und viele Menschen haben davon gehört. Daraufhin gingen viele zu ihm nach Hause. Der Gelähmte konnte vor lauter Menschen nicht zu ihm kommen. Deshalb haben ihn 4 Männer (auf dem Fenster sind ganz oben links und rechts zwei dieser Männer abgebildet) aufs Dach getragen und ihn dann von dort aus zu Jesus hinunterlassen. Als Jesus dann den Glauben dieser Männer sah, hat er dem Gelähmten seine Sünden vergeben und ihn dann auch geheilt.

Diese 4 Männer haben also den Gelähmten zu Jesus gebracht. Sie mussten selbst einen großen Glauben gehabt haben, denn sonst wären sie nicht extra aufs Dach gestiegen. Fragen auch wir uns, welche Menschen einen so großen Glauben an Jesus gehabt haben, dass sie uns zu Jesus gebracht haben. Vielleicht die Eltern; oder die Großeltern. Vielleicht der Pfarrer oder die Religionslehrerin. Meist ist es nicht nur eine Person, sondern mehrere. Wie in diesem Gleichnis nicht nur einer den Gelähmten aufs Dach gehievt hat, sondern 4.

Wir sind also Menschen, die von anderen Menschen zu Jesus geführt worden waren. Gleichzeitig haben wir aber auch den Auftrag andere Menschen zu Jesus zu führen. Wir dürfen nicht damit zufrieden sein, selbst bei Jesus zu sein, sondern andere Menschen auch dazu einladen und sie zu ihm zu führen. Hätten die ersten Christen das nicht gemacht, wäre das Christentum schon nach einer Generation ausgestorben. Ihnen war es aber selbst so wichtig, dass sie es auch für andere Generationen wollten. Darum haben sie ihn weiter gegeben und diesen Auftragen haben auch wir heute noch.

Nicht nur die Priester haben diese Aufgabe, sondern alle Gläubigen. Nicht nur die Priester sollen Jünger Jesu sein, sondern alle Christen. Die besondere Aufgabe der Priester ist es dabei vielleicht, Menschen eben zu solchen Jüngern Jesu zu machen, sie zu motivieren, zu begeistern und zu befähigen.

Zwei Dinge können uns diese 4 Männer vom Gleichnis mitgeben: dass wir selbst von Menschen zu Jesus gebracht worden waren und dass wir selbst Menschen zu Jesus bringen sollen.
Über folgende Fragen lohnt es sich einmal genauer darüber nachzudenken: Welche Menschen haben uns von Jesus erzählt und uns somit zu ihm geführt? Und welchen Menschen haben wir schon etwas von Jesus erzählt und habe so mitgeholfen diesen Menschen zu Jesus zu führen? Und wie könnte und das in Zukunft vielleicht noch besser gelingen?

Christoph Konzett

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