Ein Impuls zur Fastenzeit - 6.3.2019

Die Fastenzeit im Bild eines Apfelbaumes.

Heute beginnt wieder die Fastenzeit, die Vorbereitungszeit auf Ostern. Da es gerade so schönes Wetter hatte und sich der Frühling schon ankündigte als ich diesen Text geschrieben habe, habe ich mir das Bild eines Apfelbaumes als Grundlage für diesen Impuls ausgesucht.

Im laufe des Jahres durchläuft der Baum viele Stationen: so steht er im Frühling in voller Blütenpracht, im Sommer wachsen die Früchte und im Herbst hängen die reifen Früchte an den Ästen. Und danach, im Winter, hat er weder Früchte noch Blätter mehr und steht ganz kahl in der Landschaft.

Jetzt kann man diese kahle Zeit auf zwei verschiedene Arten sehen: entweder als eine Zeit des Mangels und der Trauer oder man sieht sie als Zeit der Erholung. Letzten Herbst trugen die Obstbäume zum Teil so viele Früchte, dass man die Äste abstützen musste, damit sie nicht abbrachen. Wenn man sich da in einen Baum hineinversetzt kann man erkennen, dass es für ihn sicher eine Erleichterung war, die Früchte abzuwerfen. So konnten sich die Äste wieder entspannen und sich wieder aufrichten.

Und was hat das mit uns zu tun? Auch wir können die Fastenzeit als eine Zeit des Verzichtes, des Mangels und der Prüfung verstehen. Oder wir können sie als eine Zeit sehen, in der auch wir Sachen abwerfen um uns wieder zu erholen und uns wieder aufrichten zu können.

Dies Erholen und Aufrichten hat wieder zwei Seiten: eine Körperliche und eine Seelische. Der Baum kann sich nur „Körperlich“ erholen wenn sich seine Äste wieder aufrichten und sie nicht mehr das Gewicht der Äpfel tragen müssen. Auch wir Menschen können uns körperlich erholen. Wenn wir zum Beispiel auf Süßes verzichten oder statt überallhin mit dem Auto zu fahren, zu Fuß zu gehen. Das sind Dinge, die den eigenen Körper wieder aufrichten können und gleichzeitig vielleicht sogar der Erde hilft sich zu erholen (z.B.: Autofahren fasten oder auf Fleisch verzichten).

Aber anders als der Baum haben wir Menschen nicht nur einen Körper, sondern auch eine Seele. Und gerade in unserer heutigen Zeit, an denen viele Menschen unter seelischen Belastungen leiden, ist es wichtig diesen Aspekt nicht zu vergessen: einen Gang runter schalten in der Hektik unserer Zeit. Zeit für Ruhe und Stille nehmen. Zeit für Familie und Freunde nehmen. Kontakte pflegen und ausbauen. Versuchen das Schöne in der Welt zu sehen, auch wenn es nur die erste Blume im Frühling ist.

Diese Sachen helfen allen Menschen, ob sie nun an Gott glauben oder nicht. Wir als gläubige Christen können zusätzlich zu diesem noch etwas sehr kostbares machen: Zeit mit Gott verbringen. Nichts ist hilfreicher und heilsamer für unsere Seele, als mit Gott in Beziehung zu sein, mit ihm zu reden oder einfach nur bei ihm zu sein. Neben allen Aspekten der Fastenzeit, die ich oben genannt habe, sollte dieser Punkt nicht vergessen werden, er sollte sogar an erster Stelle stehen.

Kurz zusammengefasst lässt sich sagen, dass es bei der Fastenzeit zum einen auf den Blickwinkel ankommen, ob sie nun eine Zeit der Trauer und des Mangels ist oder eine Zeit in dem man sich erholen kann. Zum anderen darf man sowohl den körperlichen wie auch den seelischen Aspekt des Menschen nicht vergessen.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen eine gute und heilbringende Fastenzeit, sodass wir alle an Ostern wieder aufblühen können, wie der Apfelbaum nach dem Winter.

Christoph Konzett

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